Mittelalterlich wirkende Fackeln - selbstgemacht

Abends auf dem Mittelaltermarkt. Die ohnehin schon mystische Athmosphäre eines solchen Events kommt jetzt erst absolut zur Geltung.

 

Das Lagerleben wird durch allerlei offenes Feuer so richtig urtümlich und gemütlich. Da sind klassiche Lagerfeuer über denen gekocht, gegrillt oder gebracten wird. Oder an denen sich Menschen sammeln. Ganz ihrem Urinstinkt folgend: Feuerstätte im eigenen oder befreundeten Lager, da kommt der Clan zusammen und erzählt Mythen und Märchen.

 

Und dann sind da die Feuerschalen und Fackeln. Die ihren Teil zum Ambiente beitragen.  Da gibt es Petroleumlampen und - Fackeln, solche die mit Tran oder Öl befeuert werden und auch neuzeitlich, meist getarnte, damit sie mittelalterlich wirken, einfache Kerzen.

 

Wer sich keine Feuerschalen, Fackeln oder Kerzen kaufen oder gegen eigenes Hab und Gut tauschen möchte, hat diese auf die eine oder andere Art selbst zu machen.

 

Die einfachste Variante ist wohl das Erhitzen von Wachs, um es, so flüssig geworden, über eine in einem Gefäß stehende Toilettenpapierrolle zu schütten, oder die Letztgenannte in das flüssige Wachs zu tauschen. Brenndauer 1- 2 Stunden. Je nach Windverhältnissen. Mischst du bis zu 40 % Fritten fett mit in das Wachs, erhöht sich die Brenndauer um bis zu 50%. Das Wachs selbst kannst du bei Gastrobetrieben in deiner Region sammeln gehen. Frag einfach, ob sie dir die abgebrannten Kerzen übrig lassen mögen. Oder du kaufst Sterain / Paraffin. Je reiner das Paraffin ist, desto länger brennt die Kerze praktisch Qualmfrei. Es sei denn du hast ein ungünstiges Material als "Docht" genutzt.

 

Womit wir beim zweiten zu nutzenden Material sind. Die einen nehmen, wie gesagt, Toilettenpapierollen. Andere nur ein paar zusammengeknüllte Blätter einer Rolle. Wieder andere nehmen einfach Dochte, wie sie für Kerzen im Allgemeinen genutzt werden. Ich nehme Grillanzünder.

 

Grillanzünder? Ja. Die säge ich zu Stäben von ca. 5mm x 5mm Durchmesser, für die kleinen Fackeln oder belasse sie in der Breite und Quere und säge sie längs in so eine Art Stift. Damit bringe ich Fackeln mit einem Durchmesser von 15 bis 30cm zum Brennen.

 

Hier mein neusetes Experiment: Eine alte Zinkwanne, in die ich mit Holzkleber drei derartige "Grillanzünder-Stifte" geklebt habe. Bin gespannt, wie das des Nächtens wirkt!

 

In dieses Behaltniss passen satte 25 liter brennbares Material! In meinem Fall gesammelte Wachsreste und gekauftes Paraffin und, zu einem Anteil von ca 30-40%, altes Frittenfett.

 

Wie fange ich an?

Zunächst schaue ich, welche alten Konservendosen ich noch nutzen kann. Wird eine solche als Gefäß für eine Fackel genutzt, wird sie schon beim ersten Mal dunkel und alt wirkend. Nutzt du sie mehrmals, wird das Material erheblich abgenutzt. Bis du es, letztlich, einfach mit dem Finger eindrücken und ein Loch darin hinterlassen kannst.

 

Habe ich (noch) keine alten Konservendosen, sehe ich zu, dass ich sie sammle oder sammeln lasse. Ich bevorzuge solche, die mit einem Öffner der Marke "Tupperware" (Scheiß Werbung!) geöffnet wurden, weil diese keinen scharfkantigen Rand haben. So bleibt die Verletzungsgefahr durch einen Grat außen vor. Das aufgeklebte Papier entferne ich meist. Brennt baer auch schnell weg, wenn du es dran läßt.

Dann gebe ich an eine Seite des "Grillanzünder-Stift / - Dochts" einen Klecks Holzleim (beim ersten Bild oben zu sehen) und klebe das Ganze fest. Bis heute hatte ich dann immer gewartet, bis der Leim trocken war. Doch da der Leim draußen stand und recht zäh war, hab ich sofort nach dem Erhitzen von Wachs und Fett mit dem schrittweisen Auffüllen der Dose mit Wachs begonnen.

 

Wie du siehst, fülle ich nicht die gesamte Dose sofort auf. So habe ich die Möglichkeit einfach und schnell einzugreifen, wenn sich beispielsweise ein Docht lösen sollte. Der wird dann mit einem Draht fixidert (im Bild oben zu sehen).

 

Dann warte ich, bis das Wachs hart geworden ist. Ideal, so etwas im Winter zu machen und die Dosen raus in den Schnee zu stellen! Das geht, je nach Tempertur, schneller bis sehr schnell.

Lass dich von diesem Bild nicht in die Irre führen! sieht super aus. Und beim ersten Mal dachte ich: Fertig!

 

Doch warte mal ab, bis die brennbare Mischung zur Gänze durchgehärtet ist. Das ganze sinkt ziemlich in sich ein und hinterläßt ein unschönes Loch, dass dann wieder mit dem flüssigen Gemisch aufgefüllt werden möchte.

 

Hier zeigt sich der Nutzen von Geduld. Je länger du dir Zeit gelassen hast, desto weniger hast du nachzufüllen. Je weniger du dir Zeit genommen hast, desto öfter füllst du nun nach.

 

Devor du dir die Dia-Show oder die Vids anschaust, dank der ich die Entstehung der Fackeln dokumentiert habe, noch Warnendes:

 

 

ACHTUNG:

Der artige Fackeln gehören auf keinen Fall auf einen Tisch oder brennbare Materialien! Die Brennmasse entflammt bei einer Hitze X von selbst, was die Flamme u. U. deutlich größer werden läßt!

 

Außerdem kann es bei Regen dazu kommen, dass sich das Wasser unterhalb der brennbaren Flüssigkeit sammelt. Ist die brennbare Substanz dann mehr oder weniger abgebrannt, bzw. fängt das Wasser unterhalb an zu kochen (?), kann es zu Explosionen kommen. Nix Wildes, wenn du weißt, was passieren kann. Doch sicher sehr erschreckend, wenn du es zum ersten Mal erlebst: Die Fackel kocht über und die brennbare Masse überfließt den Untergrund. Nicht schlimm, da sie entsprechend schnell abgekühlt ist und nicht brennt. Aber eine reisen Sauerei!

 

Das Ganze kündigt sich dadurch an, dass es erst knistert, wie wenn du teifgekühlte Fritten in heißes Fett gibst. Du kannst die Fackel nun nur noch löschen, in dem die Sauerstoffzufuhr zu 100% abschneidest (Deckel drauf. - Und drauf lassen! Die Flüssigkeit entzündet sich so starke erhitzt von selbst wieder! - Deckel erst wieder abnehmen, wenn du dier Dose mit bloßen Händen anfassen kannst!

 

Beachtest du das, wirst du an solchen Facklen viel Freude haben!